moderntimes_1800 kammerorchester auf originalinstrumenten

„der seelen wunderliches bergwerk“
Ein szenischer Abend mit Tobias Moretti und dem Kammerorchester moderntimes
Ruhrtriennale 2005, am 24. und 27 September

Musik von Luigi Boccherini, Benjamin Britten, Joseph Haydn, Joseph Martin Kraus, Frank Martin, Wolfgang Amadeus Mozart, Arvo Pärt, Dmitrij Schostakowitsch & Paul Wranitzky

Texte: Paul Celan, Hans Magnus Enzensberger, Franz Grillparzer, Johann Peter Hebel, Heinrich Heine, Michel Houllebecq, Kurt Marti, Rainer Maria Rilke & Georg Trakl

 

Fünfundzwanzig Musiker und ein Schauspieler führen die Zuschauer auf eine Zeitreise aus Sprache und Musik. Das Leitmotiv ist die kurze Kalendergeschichte Unverhofftes Wiedersehen von Johann Peter Hebel, die das Bergwerksunglück im schwedischen Falun zu einem Symbol für die großen gesellschaftlichen und geistigen Umwälzungen des frühen 19. Jahrhunderts verdichtet. Der harte Rhythmus der jungen industriellen Gesellschaft war schon so schnell geworden, dass der Ton der Literatur ihn nicht mehr ignorieren konnte.

Eine szenische Collage aus Poesie, Prosa, Musik, Geräusch und Licht entfaltet ein Spannungsfeld von der romantischen bis zur zeitgenössischen Literatur, vom musikalischen Sturm und Drang bis ins 20. Jahrhundert. Beschrieben wird eine Auf- und Abwärtsbewegung, die zweierlei versinnbildlicht: Eine sphärische Reise nach Innen – an die Angst-, Gefährdungs- und Sehnsuchtsorte der Seele – und die konkrete Fahrt unter Tage. Hebel, Heine, Rilke und Trakl zwingen der Erfahrung des unaufhaltsam Zerstörenden und Auflösenden Traum- und Sprachbilder ab. Utopien, Hoffnungen und Begeisterungen, die sich an den naturwissenschaftlichen Errungenschaften entzünden, kollidieren mit den gesellschaftlichen Folgen der technischen Entwicklung: Der Enthusiasmus für den Fortschritt verfliegt dann angesichts der frühindustriellen Verelendung.

Auch in der musikalischen Entwicklung ist dieser progressive Pulsschlag immer zu spüren: Joseph Martin Kraus, Joseph Haydn, Paul Wranitzky, Dimitrij Schostakowitsch und Arnold Schönberg setzen inhaltliche wie historische Akzente. Verdeutlicht wird dies sowohl durch den Übergang vom Barockensemble zum zeitgenössischen Orchester, als auch durch den Wechsel von Tonhöhe und Klangfarbe der Musik.

 

 

Pressespiegel

„…das Kammerorchester moderntimes hat toll gespielt. Ich war sehr überrascht und angetan. Sie haben mich sehr an Concerto Köln erinnert, sie spielen ja auch auf historischen Instrumenten…angefangen von Mozart, Kraus bis hin zu Britten und Martin…das haben sie in der ganzen Ausdrucksbreite wunderbar hinbekommen, sehr vital und lebendig gespielt. Ich war von ihnen total begeistert!
WDR 3 – Mosaik (Hörfunkkritik)

 

„Als großartig entpuppte sich das Kammerorchester moderntimes, das sich mit Verve, Sorgfalt, Raffinesse und Kühnheit ins Zeug legte. Nichts entging seiner Aufmerksamkeit, kein Moment Langeweile, nie Mittelmaß.“
Opernwelt

 

„Das Publikum lauscht und schaut, lässt sich auf den kontemplativen Prozess ein und dankt den Beteiligten mit lang anhaltendem Beifall; Tobias Moretti und dem perfekt aufspielendem Kammerorchester „Moderntimes“: brillante Einzelspieler, die zu überzeugendem Zusammenspiel finden und divergierenden Kompositions-anforderungen brillant gerecht werden.“
opernnetz

 

„Eine hinreißende Kreation … Was für ein in jedem Wortsinn beseelter, intelligenter, zugleich entspannender Abend ist da dem Schauspieler Tobias Moretti und dem Kammerorchester „moderntimes“ gelungen!“
WAZ

 

„…Gemessen an Beiträgen wie "Das Trojanische Boot" oder gar dem Fußball-Oratorium sicherlich eine leise, unspektakuläre Produktion. Ihrer Sogkraft indes konnte man sich in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg nicht entziehen. … Dem Kammerorchester, das "demokratisch", also ohne Dirigenten musiziert, gebührt höchstes Lob.“
NRZ